Inklusion in der JDAV Bayern

Die JDAV Bayern hat sich mit dem Thema Inklusion beschäftigt und wie die Realität vor Ort, in der Jugendarbeit der Sektionen, zu diesem Thema aussieht. Deshalb haben wir euch gefragt und so ist diese Dokumentation entstanden. Sie stellt zwei Praxismodelle aus Altdorf und Gaißach vor sowie einige Ergebnisse unserer bayernweiten Jugendleiter_innen-Umfrage:

 

So schaut´s aus – Inklusion in der JDAV Bayern (PDF)

 

Die Dokumentation kann auch in gedruckter Form in der Landesgeschäftsstelle bestellt werden: lgs@jdav-Bayern.de oder 089 / 449 00 195

 

Die Praxismodelle, die Umfrage und die Dokumentation wurden mit einem Projektzuschuss des Bundesausschuss Jugend der JDAV gefördert. Für die Unterstützung bedanken wir uns herzlich.

 

 

 

Ergebnisse der Umfrage 2013

Hier findet Ihr die Ergebnisse der im November 2013 von der JDAV Bayern durchgeführten bayernweiten Umfrage:

Und was sagen die Jugendleiter_innen zum Thema Inklusion? (PDF)

A ganz normale G´schicht

Kletterlegende Alexander Huber engagiert sich schon seit Jahren für den Verein Ich will da rauf e.V. – Klettern für Menschen mit und ohne Handikap (www.iwdr.de). Lea hat ihn für die Bayern News 2/14 zum Interview getroffen.

 

Alex, wie bist du dazu gekommen dich mit dem Thema Inklusion zu beschäftigen?

Ganz einfach, ich wurde direkt angesprochen. Das war damals der Wilfried Lehr, dessen Tochter auch eine Behinderung hat und quasi den Namen Ich will da rauf geprägt hat. Wilfried Lehr war lange Zeit der Vorsitzende des Vereins und hat mich angefragt ob ich den Verein unterstützen will, da hab ich gesagt ja, find ich cool, mach ich!

Und wie kann ich das unterstützen, dadurch dass ich Zugang hab zu gewissen Bereichen und eine gewisse Öffentlichkeit habe. Und ich glaube das haben wir auch wirklich geschafft, der Verein ist bekannt. Es ist ja auch ganz wichtig dass genügend Mitglieder da sind und zwar nicht nur Mitglieder mit Behinderung, sondern auch Kletterer, die die Idee gut finden, und dann mit den Leuten zum Klettern gehen. Das Ziel des Vereins ist die Inklusion.

 

Was waren deine ersten Erfahrungen in der Arbeit mit Menschen mit Behinderung?

Ja, im Rettungsdienst ganz explizit, da hatten wir viel mit Menschen mit Behinderung zu tun. Ich finde es einfach wichtig, dass man im Umgang mit Menschen, die ein Handikap haben, lernt, dass das ganz normal ist. Es ist auch der Grundgedanke vom Verein Ich will da rauf, dass sich die Beziehung zwischen Menschen mit und ohne Handikap normalisiert.

 

Wie unterschiedlich sind die Menschen in dem Verein?

Ganz unterschiedlich und kunterbunt von A bis Z. Ich bin ja nicht in der alltäglichen Arbeit mit dabei. Ich war zwei Mal in Thalkirchen mit beim Klettern und zwei Mal waren wir draußen unterwegs. Das war eine super Sache! Auch wenn man das Feedback kriegt, wie glücklich diese Leute alle sind, die Leute mit Handikap und die ohne Handikap, sie sind einfach alle happy, und das gefällt mir natürlich. Das ist auch der Grund warum ich´s mach.

 

Was ist denn anders wenn man mit Menschen mit Behinderung klettern geht? Muss man irgendwelche besonderen Dinge beachten oder benötigt man spezielle Ausrüstung?

Nein, da muss man eigentlich nichts beachten. Wenn ich Bergführer bin, habe ich auch mit Leuten zu tun für die ich eine gewisse Verantwortung übernehmen muss. Ob jemand eine Behinderung hat oder nicht, wenn er mit mir am Berg unterwegs ist, muss ich für ihn Verantwortung übernehmen, das tue ich für den einen wie für den anderen. Das ist jetzt nichts Neues, aber für die Menschen mit Behinderung ist es ein wesentlich besonderer Tag als für die Menschen die keine Behinderung haben, deswegen ist der Ausdruck der Freude bei diesen am Ende des Tages viel größer.

 

Wie schön! Wenn jetzt unsere Jugendleiter_innen auch so eine Aktion machen wollten, gibt es etwas was du empfehlen würdest, worauf man achten muss, oder was anders ist, als mit Kindern ohne Handikap?

Nein. Schau, Kinder sind ja auch in gewisser Weise Menschen mit Handikap. Sie sind einfach noch nicht voll ausgebildet in Intelligenz, in Erfahrung, also muss ich Verantwortung übernehmen. Der eine hat ein körperliches Handikap, der andere ein geistiges, das ist doch völlig egal. Ich muss ein Stück weit Verantwortung übernehmen, was ich sowieso tue wenn ich mit anderen beim Klettern bin und wenn ich jemand sichere. Und so ist es eben völlig normal, das ist auch was der Verein vermitteln will, das ist a ganz normale G´schicht.

 

Gibt es irgendwelche Pläne oder Entwicklungen wie es mit Ich will da rauf weitergeht?

Es war mal in der Diskussion ob man über den Raum München hinausgeht. Ich habe dem Verein geraten, sich weiter auf München zu konzentrieren. Wenn sich irgendwo mal diese Idee verbreitet, dass sich das in Nürnberg oder irgendwo anders etabliert, gibt´s ja auch schon, dann ist das wunderbar. Die Linda, die ja die Idee hatte, ist jetzt gar nicht mehr aktiv dabei. Es muss aber auch nicht sein, es geht ja nur die Idee, und die ist einfach genial und das Herz des Vereins.

Bei mir selber ist es zeitlich gerade sehr eng, aber wenn ich irgendwie helfen kann, bin ich jederzeit erreichbar und vielleicht schaffen wir es im Herbst, dass wir einfach mal wieder einen Tag draußen verbringen. Das ist eh schon eine Aktion, mit denen an den Fuß des Felsens zu kommen, das ist ja nicht unbedingt Rollstuhlgemäß. Aber genau das macht es ja so interessant, weil´s eben a bisserl anders und kompliziert ist und man sieht, dass es trotzdem geht. Meine Güte, Grenzen sind dazu da, um überwunden zu werden. Es ist nicht alles erreichbar für Menschen mit Behinderung, aber wenn man manches erreichbar machen kann, dann ist es für Highlights gerade schön.

 

Und was antwortest du auf die Aussage „Bergsport ist nichts für Menschen mit Behinderung“?

Das stimmt immer nur ein Stück weit. Jetzt kann man natürlich sagen, den elften Grad können auch nur die wenigsten klettern, aber für mich ist ja jemand der nicht den elften Grad klettern kann nicht gleich behindert. Jeder kann immer nur soweit gehen wie für ihn der Horizont reicht. Und es ist schon ganz klar, wenn ich Rolli bin, dann bin ich in der Regel an die Straßen und Gehsteige gebunden und dort wo es Aufzüge gibt, aber in der Gruppe kann man durchaus in den Klettergarten kommen. Und eine Kletterhalle ist fast überall erreichbar mittlerweile. Zumindest wissen die in den Kletterhallen in München wie sie mit Rollis umgehen müssen, denn mit dem Verein Ich will da rauf sind die standardmäßig jetzt präsent. Und dann überlegt man sich schon als Kletterhallenbetreiber vielleicht in Zukunft schon von Haus aus, dass eine Kletterhalle so konstruiert wird.